Der lange Weg nach Sapporo. Oder auch, eine vorwinterliche Überraschung.

Wir stehen gemäßigt früh auf und packen unsere sieben Sachen. Trotz meiner anfänglichen Überlegungen habe ich wohl doch zu viel mitgenommen. Nun ists aber zu spät und wir müssen uns mit den Rucksäcken zur Station in Tokyo durchkämpfen. Noch etwas orientierungslos finden wir dann doch den Schalter mit den JR Tickets. Wir reservieren für den Weg nach Sapporo, der ja in 3 Ettapen aufgeteilt ist. Zuerst nimmt man den Shinkansen nach Shin-Aomori, dann gehts mit der Bahn unter dem Meer nach Hakodate und von dort mit dem Zug nach Sapporo.

Wir besteigen den Shinkansen und ich fühle mich wieder richtig wohl. Leise Unterhaltungen, das surren das Zuges und die Landschaft die vor den Fenstern vorbeizieht. So macht Reisen wirklich Spaß. Es gibt eine freundliche Dame die, mit einem Essenswagen bewaffnet, durch die Gänge fährt und zu vernünftigen Preisen allerlei Köstlichkeiten anbietet. Wir allerdings, wir haben vorgesort und am Bahnsteig noch alles für die Reise gekauft. Onigiri(Reisdreiecke mit Füllung), Poke Sticks(Bei uns unter dem Namen Mikado bekannt) und Sandwiches.

Apropos Sandwiches. Es mag ein wenig wunderlich erscheinen in Japan Sandwiches zu essen, aber jeder der schon mal in ein solches gebissen hat, der wird bestätigen wie weich, saftig und schmackhaft hier diese kleinen Tramezzini sind. Ein Grund also, bei der nächsten Reise gleich mal so eines zu verkosten. Nur so ein Tipp.

Die erste Strecke nach Shin-Aomori vergeht wie im Shinkansen. Schnell und komfortabel. Dann steigen wir mit einem knappen Zeitfenster von 12 Minuten in den nächsten Zug um. (Gerade genug um Rainer zu einer Zigarette zu verhelfen) Dieser Zug fährt nun zweienhalb Stunden nach Hakodate. Links und rechts der Strecke können wir brandneue Gleiskörper für den Shinkansen erkennen. Ab März 2016 fährt dieser nämlich direkt bis Shin-Hakodate.
Wir fahren unter dem Meer durch den Tunnel und kommen nach Hakodate. Auch hier haben wir nur wenig Zeit um Umzusteigen, das verkürzt aber wenigstens die Gesamtreisezeit.

Trotz komfortabler Sitzplätze kann man jetzt schon die Auswirkungen einer langen Reise erkennen und dabei müssen wir noch den längsten Teil von Hakodate nach Sapporo hinter uns bringen. Diese Zugfahrt wird dann auch die längste und unangenehmste. Wenn man einmal den Komfort eines Shinkansen erlebt hat, dann ist ja jeder Zug ein Bummelzug, aber der von Hakodate nach Sapporo ist wirklich der beschwerlichste.

Als wir durch die Landschaft Hokkaidos fahren werden wir links und rechts von angezuckerten Bergen begrüßt. Alles deutet auf einen Schlechtwettereinbruch hin, wir hoffen wenigstens auf gutes Wetter in Sapporo.

Unsere Hoffnung wird durch den leichten Hagel in Sapporo zerschlagen, wir ziehen uns also in das extensive Tunnelnetzwerk unter der Stadt zurück und kommen damit fast bis zu unserem Hostel ohne nass zu werden. Nur die letzten zwei Gassen legen wir unter freiem Himmel zurück, dann haben wir es geschafft.

Unser Zimmer bezogen, machen wir uns trotz der Wetterlage auf, das wahrscheinlich beste Ramen in ganz Japan zu essen. Durch meine mutigen Erforschungen der Ramenlokale im letzten Jahr, wo ich natürlich keine Kosten und Mühen gescheut habe, gelingt es uns eine stärkende Misoramen-Suppe mit ordentlicher Einlage(sprich Schweinebauch, Faschiertes, Ei, Gemüse, Fleisch und Natürlich Nudeln) zu ergattern. So satt und aufgeheizt trotzen wir natürlich jedem Wetter und machen uns auf einen kleinen Spaziergang zum Bahnhof. Schließlich müssen wir uns heute noch ein wenig bewegen, sind ja mehr als 8 Stunden herumgesessen.

Spät kommen wir heim und da im Gemeinschaftsraum allgemein tote Hose ist, fallen wir dann einfach ins Bett. Von 22 Grad in Tokyo zu -1 in Sapporo. Naja vielleicht hätten wir es auch schlechter erwischen können. Godzilla und so.


Kommentare